Ach du dickes Ei!

10/2015

Man sagt, das Ei habe die perfekte Form. Dabei ist das Ei trotz (oder gerade wegen) seiner Einfachheit ein echter Tausendsassa. Eine alte Werbung für den Volkswagen Käfer geht so: „Es gibt Formen, die man nicht verbessern kann.“ Dabei war ein Hühnerei zu sehen, auf das mit Bleistift ein VW Käfer aufgemalt war, und das dreidimensionale Ergebnis hatte erstaunliche Ähnlichkeit mit dem motorisierten Krabbeltier auf der Strasse.

Mathematische Festigkeitsanalysen haben ergeben, dass das Ei dank seiner Form in Sachen Stabilität vollkommen ist. Es ist schier unmöglich, selbst ein rohes Ei, das an seinen äusseren Enden gehalten wird, zwischen den Fingern einer Hand zu zerdrücken. Der Druck verteilt sich durch die formvollendeten Rundungen über das ganze Ei. Sogar als Crashtest-Dummy musste das Ei deshalb bereits herhalten. Auf diese Weise sollte die Wirkung von Sicherheitsgurten im Auto überzeugend dargestellt werden und ein unangeschnalltes Ei musste dran glauben. Bei Druck von der Seite ist das Ei nämlich durchaus sehr zerbrechlich. Nachdem ein anderes Ei aber mit Gurt angeschnallt und der Crashtest wiederholt wurde, blieb es heil.

Mit dem Ei und seiner Form wird schon seit der Entdeckung des Huhns experimentiert. Bis heute gibt es keine mathematische Formel, die die Form des Eis exakt beschreiben könnte. Aber es zählt ja auch mehr der praktische Nutzen. Ein Fussballtorwart, dreifacher Welttorhüter in den Jahren 1999, 2001 und 2002 meinte nach einem verlorenen Spiel unverblümt: „Eier! Ich sag ja wir brauchen Eier!“ und fügte hinzu: „Wenn Sie wissen, was das heisst.“ Wissen wir. Aber wir wissen nicht, wie viele Eier Oliver Kahn nach diesem Appell vom Mannschaftskoch verabreicht bekam und ob er sie sich gebraten oder gekocht einverleibt hat.

So perfekt es auch sein mag, eines kann das Ei nicht: Von alleine stehen. Aber auch dafür gibt es Lösungen. Maschinen zur Herstellung von viereckigen Eiern sollen von besonders schlauen Eierköpfen konstruiert worden sein. Christoph Kolumbus eierte indes nicht lang herum, sondern gab dem ovalen Objekt Halt, indem er es kaltverformte. Im heutigen Weltraum-Zeitalter greifen wir nicht zu solch rabiaten Methoden, denn steht uns der Star Wars Eierbecher R2D2 zur Verfügung. Der Kopf des Astromech-Droiden ist abnehmbar und gibt dem Ei sicheren Halt. Und bei aufgesetztem Kopf hält der putzige Roboter das Huhn-Produkt länger warm.

Dabei ist heute ein besonderes Datum: Denn am 2. Oktober 2015 (wie an jedem zweiten Freitag im Oktober) ist Welt-Ei-Tag. Und deswegen möchten auch wir einmal an Sie appellieren: Bitte kaufen Sie nur Eier aus artgerechter Haltung. Auch wenn sie etwas teurer sind.

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