Eine alkoholische Rundreise Teil 4 – Skandinavien und Afrika

08/2014

Mit dem vierten und letzten Teil und der Vorstellung von Drinks, Cocktails und Shots aus Skandinavien und Afrika beenden wir unsere Miniserie “Die besten Drinks aus 43 Ländern” und wünschen schon beim Lesen viel Genuss:

SKANDINAVIEN

Dänemark: Gammel Dansk

Zutaten: Kräuterlikör mit starker Ähnlichkeit zum Fernet.

Warum Sie ihn haben müssen: Wenngleich man bei Dänemark wohl zuerst an den weltumreisenden Aquavit denkt, ist der Gammel Dansk (“Alter Däne”) doch mehr als nur eine Randerwähnung wert. Er stellt nicht nur den entscheidenden alkoholischen Unterschied zwischen den nordischen Nachbarn Dänemark und Norwegen dar, sondern die Dänen trinken erstaunlicherweise auch schon gerne mal einen “alten Dänen” direkt nach dem Frühstück.

Island: Brennivin

Zutaten: Destillat unter Beigabe von Echtem Kümmel, Kreuzkümmel und Engelwurz.

Warum Sie ihn haben müssen: Der isländische Brennivin (“Brennwein”) wird fast ausschliesslich als “Kurzer” getrunken und mit gut abgehangenem Haifischfleisch (!) gereicht. Das hat seinen guten Grund, denn der Brennivin macht seinem Namen alle Ehre: 80 Prozent!

Finnland: Koskenkorva Viina (Kossu)

Zutaten: Aus Getreide unter Beigabe von Quellwasser und einer Prise Zucker gewonnenes Destillat. Also eigentlich ein “Wodka”. Die Finnen nennen ihn “Viina”.

Warum Sie ihn haben müssen: Die Finnen mischen seit einiger Zeit ihren Kossu mit gemahlenen “Fisherman’s Friend” Rachenbonbons und nennen den entstehenden Cocktails “Fisu”. Das ist finnischer Slang für “Fisch”.

Norwegen: Aquavit

Zutaten: Spirituose aus Getreide oder Kartoffeln, aromatisiert mit Echtem Kümmel.

Warum Sie ihn haben müssen: Wie die Schotten ihren “Whisky” und die Franzosen ihr “Eau de vie” nennen die Norweger ihren Aquavit, ihr Nationalgetränk, einfach “Wasser des Lebens.” Aquavit wird in Norwegen gewöhnlich bei Raumtemperatur aus Schnapsgläsern getrunken, besonders zu Feiertagen wie dem Norwegischen Nationalfeiertag oder Weihnachten. Zu ihrem Aquavit reichen die Norweger Rippchen oder ihre “Pinnekjøtt” genannten Fleischspiesse. Ausserdem muss ein Aquavit mindestens zweimal über den Äquator gefahren sein, um sich Aquavit nennen zu dürfen.

AFRIKA

Kenia: Urwaga

Zutaten: Bier, Bananen vom Typ der herberen Igikashi- oder der milder schmeckenden Igisahira-Sorte.

Warum Sie es haben müssen: Süffiges kenianisches Bier. Leckere, vitaminhaltige Bananen. Dabei gar nicht mal so exotisch: Auch die Bayern trinken gerne mal ein Bananenweizen.

 Äthiopien: Tej

Zutaten: Unmengen Honig, Wasser und Extrakte vom Gesho (dem so genannten Afrikanischen Faulbaum).

Warum Sie ihn haben müssen: Die Äthiopier brauen sich ihren Honigwein, ihren Met, für den Eigenbedarf und für Freunde traditionell selbst. Tej wird aus speziell dafür gemachten Glasrundkolben getrunken, welche aus dem Forschungslabor von Professor Bunsenbrenner stammen könnten.

Madagaskar: Toaka Gasy

Zutaten: Rum. Weitere Zutaten unbekannt.

Warum Sie ihn haben müssen: Wird in kleinen Dörfern nach Geheimrezept von Hand hergestellt und bei ritualisierten Prozeduren und Ritualen verwendet. Und Rituale funktionieren mit Rum nun mal besser. Oder mindestens ebenso gut.

Nigeria: Ogogoro

VORSICHT: Bei unsachgemässer Zubereitung von Ogogoro besteht Lebensgefahr! Wir raten daher dringend von der eigenen Herstellung ab.

Zutaten: Hochprozentig fermentierter Palmensaft.

Warum Sie es haben müssen: Im ganzen Land sehr weit verbreitet und beliebt. Wird häufig als Opfergabe bei religiösen Zeremonien verwendet.

Südafrika: Springbokkie

Zutaten: Pfefferminzlikör, Amarula-Wildfruchtsahnelikör.

Warum Sie es haben müssen: Weil die Kombination aus Pfefferminz und Sahnelikör einfach unschlagbar grossartig ist. Schmeckt wie eine verstärkte Fassung des Shamrock-Cocktails. Ist dabei nicht dasselbe in Grün, sondern grüner und mit mehr Umdrehungen.

 

Damit ist unsere kleine Serie “Die besten Drinks aus 43 Ländern” beendet. Sie können trotzdem gerne noch mitmachen: Schreiben Sie uns, welche Cocktails, welche Drinks, welche Shots wir unbedingt noch erwähnen sollten.

Eine stets nette Souvenir-Idee ist es, sich einen seltenen Tropfen sofern möglich und lieferbar in die Heimat liefern zu lassen. Um diesen zu Hause dann artgerecht mit Freunden zu kredenzen, bietet sich z.B. der Erwerb unseres Getränkekühlers an. Sie finden ihn hier.

Wir wünschen viel Spass beim Geniessen!

Eine alkoholische Rundreise Teil 3 – Mittelmeer und Karibik

08/2014

Wir setzen unsere vierteilige Miniserie “Die besten Drinks aus 43 Ländern” mit dem dritten Teil fort und stellen Ihnen heute Drinks aus der Mittelmeer-Region und der Karibik vor:

MITTELMEER-ANRAINER

Griechenland: Ouzo

Zutaten: Destillierte Traubenreste von griechischen Reben, aromatisiert mit Anis (sowie weiteren Kräutern).

Warum Sie ihn haben müssen: Griechen essen gerne üppige Portionen. Dabei darf das Essen auch kräftig gewürzt sein. Schon der antike Grieche wusste, dass ein gutes Getränk die Qualität und die Verdaulichkeit eines guten Essens wie gegrilltem Tintenfisch, Oliven, und gerösteten Kartoffeln deutlich anheben kann. Oft wird bei griechischen Freunden ein Ouzo nach jedem Gang serviert. Doch Ouzo spaltet die Gemüter: entweder man liebt den Ouzo mit seiner deutlichen Anisnote, oder man mag ihn überhaupt nicht. Dazwischen gibt es einfach nichts.

Türkei: Raki

Zutaten: Destillierte Traubenreste von türkischen Reben, aromatisiert mit Anis (sowie weiteren Kräutern).

Warum Sie ihn haben müssen: Raki ist das türkische Gegenstück zum griechischen Ouzo. Und die Türken können bei 60 Millionen Liter Verbrauch pro Jahr nicht irren. Die Türken trinken ihren Raki gerne mit Wasser verdünnt und nennen ihr Nationalgetränk deshalb Löwenmilch. Das kommt vom so genannten Louche-Effekt: die kristallklare Flüssigkeit wird undurchsichtig und färbt sich weiss, wenn Wasser oder Eis zugegeben wird.

Israel und Libanon: Arak

Zutaten: Doppelt fermentierter Traubensaft, auch Datteln und Pflaumen werden zur Zubereitung hin und wieder verwendet.

Warum Sie ihn haben müssen: Dieses grossartige, festliche Getränk wartet mit mindestens 40 Volumenprozent Alkohol auf. Und irgendwie sollte doch jeder Traubensaft mindestens 40 Volumenprozent Alkohol haben, finden Sie nicht auch?

KARIBIK

Jamaica: Rum

Zutaten: Fermentierte und hochprozentig destillierte Spirituose aus Zuckerrohr und ihren Beiprodukten wie Melasse.

Warum Sie ihn haben müssen: Rum ist das Gegenstück zum Zuckerschock bei übermässigem Genuss eines gewissen braunen Softdrinks. Ebendieser Softdrink sollte allerdings einem wirklich guten Rum fernbleiben (Blasphemie!). Sowohl pur als auch -mit frischer Minze zubereitet- als Mojito unschlagbar. Der soll als Begleit- und Inspirationsgetränk bestens geeignet sein, falls Sie Romane oder Ihr Tagebuch zu schreiben beabsichtigen. Meinte einst Ernest Hemingway. Er hatte wohl Recht.

Bermudas: Rum Swizzle

Zutaten: Dunkler kubanischer Rum, heller kubanischer Rum, Zitrone, Ananas, Orangensaft, Falernum (süsser Sirup ähnlich Orgeat).

Warum Sie ihn haben müssen: Die ersten Rum Swizzles wurden schon im 18. Jahrhundert verkauft, bekannt wurde der Rum Swizzles aber besonders durch das “The Swizzle Inn”, die Lieblingsbar des Schauspielers Michael Douglas, die 1932 ihren ersten Swizzle verkaufte. Der Rum Swizzle gilt seither als der Nationaldrink der Bermudas.

Kuba: Mojito

Zutaten: Heller kubanischer Rum, frische Minze, Limette, Sodawasser.

Warum Sie ihn haben müssen: Der alte Mann und das Meer. Inspiration. Ernest Hemingway (siehe oben).

Nächste Folge: Skandinavien und Afrika

Wir laden Sie, liebe Leser, ausdrücklich zum Mitmachen ein. Schreiben Sie uns, welche Cocktails, welche Drinks, welche Shots wir unbedingt noch erwähnen sollten.

Eine alkoholische Rundreise Teil 2 – Osteuropa und Asien

07/2014

Und es geht weiter mit Teil 2 unserer vierteiligen Miniserie “Die besten Drinks aus 43 Ländern”. Heute sind Osteuropa und Asien dran:

OSTEUROPA

Tschechien: Absinth

Zutaten: Destillierte Kräuter (Anis, Fenchel, Wermut und je nach Zusammenstellung weitere Kräuter)

Warum Sie ihn haben müssen: Absinth ist in der geografischen Region der heutigen tschechischen Republik seit Ende des 18. Jahrhunderts bekannt und beliebt. Er war das In-Getränk der damaligen Künstler- und kreativen Szene. Zur Beliebtheit des Absinth hat wohl auch der Mythos beigetragen, dieser würde bewusstseinserweiternde Substanzen in sich tragen. Die bisweilen bizarr anmutende Zubereitungsart trägt ihr Übriges zum Mythos des Absinth bei: benötigt werden ein besonderer (gelochter oder geschlitzter) Absinthlöffel, ein Stück Würfelzucker und eine “Absinthfontäne”. Absinth war (wegen der ihm zugeschriebenen Wirkung) in Europa lange verboten. Erst 1998 setzte ein erneuter zaghafter Handel ein. In der Schweiz sind Herstellung und Verkauf von Absinth erst seit 2005 wieder erlaubt.

Serbien: Sliwowitz

Zutaten: Obstbrand aus Pflaumen.

Warum Sie ihn haben müssen: Der Sliwowitz gilt in Serbien als Nationalgetränk. Ihn trinkt vom Erwachsenenalter an wirklich jeder, bis hin ins hohe Alter. Prognose: in ungefähr zwei Jahren wird die Hipster-Szene über die letzten Vorräte herfallen, die Preise werden ins Unermessliche steigen. Daher: seien Sie selbst Trendsetter – besorgen Sie sich Ihren Sliwowitz noch heute!

Mazedonien: Mastika

Zutaten: Aniszubereitung, ähnlich dem griechischen Ouzo und dem türkischen Raki, jedoch unter Zugabe von Mastix, einem Harz der Pistazienbäume.

Warum Sie ihn haben müssen: Wenngleich Mastika auch in Griechenland, Bulgarien und Rumänien getrunken wird, beanspruchen doch die Mazedonier den Anisschnaps als ihr Nationalgetränk. Mastika wird fast immer mit Eiswasser verdünnt getrunken.

Russland: Wodka

Zutaten: Getreide oder (meist) Kartoffeln.

Warum Sie ihn haben müssen: Das “Wässerchen” ist der Geist der russischen Seele. Wodka wird zu jeder, aber auch wirklich jeder Gelegenheit getrunken. Der Onkel kommt zu Besuch? Nasdarowje! Grossmutter feiert ihren 90. Geburtstag? Nasdarowje! Die Ehefrau kommt vom Einkaufen zurück, ob sie “nur Zigaretten holen” wollte? Nasdarowje! Und der Wodka machte auch in der Politik mit: immerhin gibt es die Wodkamarken “Aleksandar Puschkin”, “Gorbatschow” und last but not least “Boris Jelzin”. Nasdarowje!

Ungarn: Unicum

Zutaten: Geheimrezept (Extrakt aus 40 Kräutern und Wurzeln).

Warum Sie ihn haben müssen: Der Legende nach erhielt der Erzherzog von Österreich und König von Ungarn Joseph II., als er sich mal den Magen verstimmt hat, von seinem Leibarzt Dr. Zwack besagtes Gebräu. Der Extrakt aus über 40 verschiedenen Kräutern und Wurzeln schien dem Herrscher zu munden, denn er quittierte dessen Genuss mit “Das ist ein Unicum!” Zur Zeit des Kommunismus sollte die Familie Zwack das Geheimrezept dem ungarischen Staat preisgeben. Sie verriet den Kommunisten aber nur eine abgeänderte, wohl nicht so leckere Version. Seit dem Zusammenbruch des Kommunismus 1989 ist der Unicum wieder unter Originalrezeptur erhältlich.

 

ASIEN

Korea: Soju

Zutaten: Branntwein aus Reis. Meist im Mix mit Kartoffeln, Weizen oder Gerste.

Warum Sie ihn haben müssen: Soju bedeutet wörtlich übersetzt einfach “gebrannter Schnaps” und wird gewöhnlich pur getrunken. Restaurants ohne Schankerlaubnis für hochprozentige Spirituosen benutzen Soju weltweit gerne als Ersatz für Wodka in der Cocktailzubereitung. Die weltweit (mit mehr als 3 Milliarden Flaschen pro Jahr) meistverkaufte Marke eines alkoholischen Getränks überhaupt heisst Jinro. Im Jahre 1965 musste sogar die Produktion von destilliertem Soju staatlicherseits verboten werden, weil der Reis knapp wurde. Seither ist man auf andere Produktionsmethoden umgestiegen.

 China: Maotai

Zutaten: Sorghum (ein Süssgras), Weizen.

Warum Sie ihn haben müssen: Maotai ist seit Jahrhunderten, genauer seit ca. dem Jahre 1616, als die Qing-Dynastie die Ming-Dynastie ablöste, im Reich der Mitte äusserst beliebt. Zum Staatsgetränk wurde Maotai spätestens dann erhoben, als der ehemalige amerikanische Präsident Richard Nixon bei seinem Staatsbesuch 1972 von Staatspräsident Mao mit einem Kelch Maotai begrüsst wurde. Ob dies zur Entspannung des amerikanisch-chinesischen Verhältnisses und der Verbesserung der diplomatischen Beziehungen beigetragen hat, ist nicht überliefert, ebensowenig, ob Nixon zum Ausgleich einen Bourbon im Handgepäck dabei hatte. Realität ist aber, dass die Chinesen ihren Maotai auch scherzhaft als “Weisser Blitz” bezeichnen, was auch immer damit gemeint ist…

Japan: Sake

Zutaten: Fermentiertes Reisgetränk. Es handelt sich nicht um einen Wein (“Reiswein”). Sake wird vielmehr wie ein Bier “gebraut”.

Warum Sie ihn haben müssen: Heiss oder kalt genossen, ist Sake der ideale Begleiter zu jedem japanischen Gericht, sei es Sushi, Misosuppe oder gebratenes Schweinefleisch. Sake wärmt auf angenehme Weise von innen heraus, und bietet Ihnen eine perfekte Entschuldigung, falls Sie irgendwann beginnen, Fremde mit japanischen Kampfschreien zu beflegeln.

Thailand: Mekhong

Zutaten: Reis, Zuckerrohr, Melasse, vermengt mit einer geheimen Mischung aus Kräutern. Ziemlich hochprozentiges Zeug, das die Thailänder als Whisky bezeichnen, in Wirklichkeit aber eher wie Rum hergestellt wird (siehe Zutaten).

Warum Sie ihn haben müssen: Schmeckt wie eine exotische und leckere Mischung aus Rum und Whisky mit einem Schuss Sake. Sobald Sie Mekhong mal probiert haben, verspüren Sie Lust, mit Kim Catrell von “Sex and the City” auf die Piste zu gehen.

Philippinen: Lambanog

Zutaten: Fermentierter Zellsaft aus der Blüte der Kokosnuss

Warum Sie ihn haben müssen: Das weinartige, dennoch hochprozentige (meist 80 bis 90 Prozent Volumenalkohol) Getränk sorgt bei unsachgemässer Anwendung schon nach kurzer Zeit dafür, dass Grossvater beginnt, nicht zitierfähige Witze zu erzählen.

 

Nächste Folge: Mittelmeer-Anrainer und Karibik

Wir laden Sie, liebe Leser, ausdrücklich zum Mitmachen ein. Schreiben Sie uns, welche Cocktails, welche Drinks, welche Shots wir unbedingt noch erwähnen sollten.

Eine alkoholische Rundreise Teil 1

07/2014

Dass wir Schweizer ein reiselustiges Völkchen sind, ist bekannt. Dass wir (nach den Japanern) die zweitbeliebtesten Touristen der Welt sind, vielleicht weniger.
Lesen Sie in unserer vierteiligen Miniserie “Die besten Drinks aus 43 Ländern”, womit Sie auf Reisen, wo immer Sie auch gerade sein mögen, am besten anstossen. Natürlich eignet sich unsere Serie auch für all diejenigen, die in diesem Jahr zuhause geblieben sind.
Wir haben versucht, eine möglichst grosse Bandbreite abzudecken, basierend auf den vorherrschenden Trinkgewohnheiten der Einwohner des jeweiligen Landes. Erstaunlicherweise stellte sich bei den Recherchen heraus, dass viele Länder, gerade in südlichen Gefilden, Drinks mit einer Anis-Basis bevorzugen.

WESTEUROPA

Irland: Guinness
Besteht aus: Irischem, obergärigen Stout-Bier mit tiefschwarz wirkender (eigentlich sehr dunkelroter) Färbung und einer ausgeprägten, cremefarbenen Schaumkrone.
Warum Sie es haben müssen: Guinness ist mit einem Jahresumsatz von über 1,8 Mrd. SFr. das mit Abstand meistverkaufte alkoholische Getränk auf der grünen Insel. Namensgeber Arthur Guinness hatte eine ziemlich schlaue Idee, als er im Jahre 1759 einen Pachtvertrag für eine stillgelegte Brauerei in Dublin für die nächsten 9.000 (in Worten: neuntausend!) Jahre abschloss. Das Beste aber war und ist der Betrag der Jahrespacht: 45 Englische Pfund.

Spanien: Sangria
Zutaten: Kleingeschnittene Südfrüchte, schwerer Rotwein (Gran Reserva, Reserva, Rioja), spanischer Brandy
Warum Sie sie haben müssen: Die rote Farbe macht den Namen der Sangria: “sangre” = “Blut”. Somit bedeutet Sangria eben “Aderlass”.

Niederlande: Genever
Zutaten: Branntwein mit Wacholder-Geschmack. Hergestellt aus fermentiertem Gerstenmalz, der so genannten Maische. Um den bitteren Geschmack zu kaschieren, werden dem Destillat Wacholder-Beeren beigegeben.
Warum Sie ihn haben müssen: Ähnlich wie beim französischen Champagner und dem mexikanischen Tequila darf sich nur Genever, der aus bestimmten Regionen der Niederlande bzw. Belgiens kommt, Genever nennen. Die niederländische Destille “Ketel One” (für Kessel eins) war die erste, die Genever hergestellt hat, wenngleich sie heute für ihren Wodka viel berühmter ist. Genever soll sehr geeignet sein für jede Art von Junggesellenabschied, egal ob männlich oder weiblich.

Deutschland: Bier jeder Art, gebraut nach dem Deutschen Reinheitsgebot von 1516.
Zutaten: Hopfen, Malz, Hefe und Wasser. Mehr darf seit 1516 in deutschem Bier nicht drin sein – “bey vermeydung von strafe an laib und gut”.
Warum Sie es haben müssen: Weil das drin ist, was draufsteht. Hopfen und Malz – Gott erhalt’s.

England: Pimm’s No.1 Cup
Zutaten: Likör auf der Basis von Gin, verfeinert mit Früchten sowie Aromen aus Gewürzen, meist gemischt mit vorzugsweise herber englischer Limonade, auch Minze, Zitrone, Apfel, Orange oder sogar Gemüse kann enthalten sein. Wird meistens als Cocktail serviert.
Warum Sie es haben müssen: der Londoner Barbesitzer James Pimm erdachte sich seinen Digestif um das Jahr 1840 herum. Weil das Gebräu der Kundschaft offenbar mundete, füllte er es ab und verkaufte es an andere Bars. Später, im Jahre 1865, verkaufte Pimm nicht nur die Bar, sondern auch die Rechte an seinem Getränk an Frederick “Nenn mich nicht Tom” Sawyer. Pimm’s No.1 Cup ist seit 1971 eng mit Wimbledon verbunden, wo jedes Jahr während des Tennisturniers ca. 40.000 Liter des typisch englischen Cocktails verkauft werden. Schmeckt ja auch lecker.

Portugal: Portwein
Zutaten: Ausgebauter, d.h. in Eichenfässern gelagerter roter oder weisser Süsswein mit nochmaliger anschliessender Flaschenlagerung.
Warum Sie ihn haben müssen: Weil er ein gutes Essen fantastisch abrundet. Vorsicht: Portwein ist süsser als normaler (Rot-)Wein und haut bei gleicher Menge wesentlich mehr rein. Passt hervorragend zu jedem guten Essen als Dessertwein.

Österreich: Schnaps
Zutaten: Obstbrände jeder Art
Warum Sie ihn haben müssen: Weil wir mit Schnaps nicht dieses merkwürdige Pfefferminz-Zeugs meinen, das Sie in Ihrer Jugend getrunken haben, als Sie den herben Geschmack von Bier noch nicht mochten. Seit ca. dem Jahre 1700 wird bei unseren Nachbarn feinster Schnaps destilliert, aus Obstfrüchten, Waldbeeren, ja sogar aus Tannenzapfen. Wärmt schön nach einer Bergwanderung!

Italien: Grappa
Zutaten: Tresterbrand aus der Traube
Warum Sie sie haben müssen: Wie kein anderer verstehen es die Italiener, selbst aus den Pressrückständen noch eine der leckersten Spirituosen zu zaubern: ihren Grappa. Perfekt als Verdauungsschnaps nach einer guten Portion Pasta. Die Grappa ist erstaunlich vielseitig und lässt sich sogar mit Espresso mischen. Dann heisst der kleine Schwarze “Caffè corretto.”

Schottland: Scotch
Zutaten: Im Eichenholzfass gelagerte und gereifte Getreidemaische, in Schottland fast ausschliesslich aus gemälzter Gerste hergestellt.
Warum Sie ihn haben müssen: Whisky ist ein Stück Lebensmut. Das schlägt sich schon im Namen wieder: Whisky hat seinen Ursprung im Gälischen und bedeutet “Lebenswasser”. Wenn Sie einen Whisky geniessen, ist das so etwas wie die Erfüllung eines kleinen Traumes. Passt bestens zu einer guten Zigarre.

Frankreich: Champagner
Zutaten: Zweimal vergorener Schaumwein aus der Champagne, der Gegend um die nordfranzösische Stadt Reims, Hefe.
Warum Sie ihn haben müssen: Champagner gilt als das Festlichste und (zusammen mit dem Danziger Goldwasser) als das Edelste aller Getränke. Die Traubenlese erfolgt ausschliesslich von Hand und ist entsprechend aufwendig. Was für Schiffs- und Flugzeugtaufen verwendet wird, kann für Ihren privaten Gaumen nicht schlecht sein…

NORDAMERIKA

Vereinigte Staaten von Amerika: Bourbon Whiskey (ja, in den USA mit “e” geschrieben!)
Zutaten: Fermentiertes, gelagertes Korn mit mindestens 51% Maisanteil, Quellwasser
Warum Sie ihn haben müssen: Müssen wir Ihnen das wirklich erklären? Na gut: Vielleicht weil er ein echter Amerikaner ist, wenngleich es unterschiedliche Ansichten darüber gibt, ob der Bourbon originär nun aus Kentucky oder aus New Orleans stammt. Der Bourbon hat zu seinen Ehren nicht nur einen eigenen Feiertag, sondern er wird einen ganzen Monat lang gefeiert: der September ist der “National Bourbon Heritage Month.” Vielleicht ist er’s auch allein deshalb wert, weil die Amis ihren Bourbon auf so vielfältige Weise geniessen, traditionell “on the rocks” (also auf kühlenden Steinen, Eis zum Kühlen wäre schon fast Blasphemie), mit ein paar Tropfen Quellwasser oder sogar als Grog – nennt sich “Hot Toddy”. Egal wie, der Bourbon ist das Urgetränk der US-Amerikaner.

Kanada: Caesar
Zutaten: Wodka, Clamato, Pfeffersauce, Selleriesalz, Worcestersauce, Limette, schwarzer Pfeffer, Sellerie
Warum Sie ihn haben müssen: Weil Walter Chell, Einwohner von Calgary und Restaurantbesitzer ihn zu einer italienischen Restauranteröffnung entwickelt hat, und weil er ihn an Spaghetti alle Vongole erinnert. Ausserdem gibt es die tomatensaftähnliche Zutat Clamato, den Tomatensaft mit Gewürzen und Muschelaroma, original nur in Kanada. Eignet sich hervorragend als Katergetränk am nächsten Morgen.

Brasilianischer Alltag

06/2014

Seit über zehn Jahren lebe ich, Roberto, jetzt in der Schweiz. Mir gefällt es hier, und hier lebt es sich ja schon sehr sicher. Das war bei mir nicht immer so.

Aktuell denke ich auch wegen der Fussball-WM oft an meine Heimat Brasilien. Ein paar Tage nach meinem achtzehnten Geburtstag sass ich in einem Bus in meiner Heimatstadt Niteròi auf dem Weg zu einem Gig, denn ich spielte damals in einer Band. Ich trug meinen Talisman in Form von einer Sonne an einer goldfarbenen Kette um den Hals.

Nach zwei Haltestellen stieg ein Typ mit Hawaii-Hemd in den nur spärlich besetzten Bus ein. Scheinbar ein Fremder, vielleicht ein Tourist, jedenfalls ziemlich unpassend gekleidet für unsere Gegend. Er setzte sich direkt neben mich – obwohl der Bus nicht sonderlich gefüllt war. Er versuchte in akzentfreiem brasilianischen Portugiesisch, mich in ein Gespräch zu verwickeln. Irgendwie kam mir die Sache nicht ganz geheuer vor, und ich wollte den Bus an der nächsten Haltestelle verlassen. Als ich aussteigen wollte, hat mich der Typ mit seinem Bein daran gehindert, aufzustehen. Er öffnete sein Hemd und zeigte auf eine Pistole, die er im Hosenbund trug. Dann forderte er mich auf, meine Goldkette abzulegen und ihm dieselbe gaaaaanz langsam zu überreichen. Da ich kein Risiko eingehen wollte und wusste, dass der Talisman funktionieren würde, tat ich wie mir befohlen und legte zitternd die Kette ab und reichte sie ihm. Mein Nachbar nahm die Kette in Empfang und steckte sie in die Tasche seines Hemdes. Ein gefühlte Ewigkeit später zog er die Kette wieder aus seiner Hemdtasche, hielt sie in der Hand und fragte, ob es sich bei seiner Beute denn eigentlich um echtes Gold handeln würde. Wahrheitsgemäss antwortete ich, dass es dabei um ein billiges Schmuckstück handelte, und dass ich mir eine echte Goldkette gar nicht hätte leisten können.

Ob dieser Offenheit war der Räuber wohl etwas konsterniert, gab mir meinen Talisman zurück, kommentierte, ich sollte mir das Goldstück doch besser in die Tasche stecken, anstatt es offen zu tragen. Das würde die Gefahr, ausgeraubt zu werden, deutlich mindern. Dann schliesslich stieg er an der nächsten Haltestelle aus. Beim Aussteigen winkte er mir noch freundlich zu.

Ob die Waffe des Räuber tatsächlich funktioniert hätte, oder er nur mit seinem Zeigefinger simulierte, weiss ich nicht.

Mein Talisman hat jedenfalls funktioniert.

WM 2014: Nati mit Last-Minute-Sieg über Ecuador

06/2014

Die Zuschauer im “Grüezi”-Biergarten in Berlin lagen goldrichtig mit ihren Spiel-Ergebnis-Tipps. Das heisst, fast richtig. Denn eigentlich hat die Schweiz ja gar nicht 2:1, sondern 3:1 gegen Ecuador gewonnen. Doch mit den Schiedsrichterentscheidungen ist das bei der WM 2014 schon seit dem Eröffnungsspiel ja so ein Thema. Die Ecuadorianer gingen gegen die Eidgenossen in der 22. Minute durch Valencia in Führung, in der 48. Minute köpft der gerade eingewechselte Mehmedi nach einem Eckball von Rodriguez zum Ausgleich. In der 70. Minute toller Kopfball von Drmic und erneut Tor für die Schweiz. Nein, doch nicht. Drmic soll im Abseits gestanden haben. Sagt der Unparteiische. Abseits ist und bleibt nun mal, wenn der Schiedsrichter pfeift. Tatsachenentscheidung nennt man das. Da hilft die neue Torlinien-Erkennungstechnik ebenso wenig wie der “Rasierschaum” zur Markierung des einzuhaltenden 9,15m-Abstandes bei Freistössen, den der Referee den zu nah am Ball stehenden Spielern schon mal gerne über die Stutzen sprüht. Hansi Seferovic schliesslich beschert nach Vorlage von Rodriguez der Nati in der letzten Sekunde der Verlängerung (!) den 2:1-Sieg. Eindeutiges Tor. Auch ohne Torerkennungstechnik und ohne Rasierschaum.

18 Dinge über die WM, die Sie garantiert noch nicht wussten.

06/2014

Es ist mal wieder so weit. Alle vier Jahre das Gleiche. Jedenfalls fast. Und dabei wird es nie langweilig. 22 erwachsene Männer, die 90 Minuten lang versuchen, einen Ball in einen eckigen Kasten zu befördern. Wenn ihnen das gelingt, flippen die Massen aus. Das gibt es eben nur in der populärsten Sportart der Welt – dem Fussball. Seit Donnerstag rockt die Fussball-Weltmeisterschaft also die Welt. Bis zum 13. Juli wird uns das Turnier Geschichte und Geschichten in sämtlichen denkbaren Facetten bescheren. Selbstgemachte YouTube-Clips von aufspringenden Couch-Potatoes, die ein Tor feiern (erste Clips wurden bereits gesichtet), Schlachtgesänge von den Tribünen, Schiedsrichterdiskussionen über berechtigte oder unberechtigte Elfmeter. Last but not least werden wir vielleicht endlich die Begriffe “doppelter Sechser” und “falscher Neuner” verstehen lernen. Aus aktuellem Anlass haben wir einige spannende Fakten zusammengetragen, die Sie garantiert noch nicht wussten. Falls doch, dürfen Sie sich wahlweise “wahrer Experte” oder “Fussball-Titan” nennen. Den ganzen Beitrag lesen »

Urlaub mit Lern- und Überraschungseffekt

06/2014

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Foto: kigrips.de

Kürzlich habe ich einen guten alten Freund in Berlin besucht – die metropolitane Weltstadt noch ohne funktionierenden Flughafen, dafür mit der berühmten Berliner Schnauze – und ausserdem meine Heimatstadt. Leider ist manch Berliner Bewohner wohl auch ein wenig kriminell: Im Flur des Wohnhauses meines Freundes – er wohnt zur Miete in einem Szenebezirk – hing eine Benachrichtigung des Polizeipräsidenten der Stadt: “Achtung Einbrecher! Achten Sie auf Fremde in Ihrem Haus” usw., und dies nicht nur in Deutsch, sondern auch in den weiteren gängigen Berliner Sprachen. Ich freute mich auf die Tage in der preussischen Metropole, und dachte mir: Irgendwie gut, dass ich in Zürich wohne, da kann mir so etwas nie passieren. Berlin war definitiv mal wieder eine Reise wert, wir hatten viel Spass und haben viel Szeniges und Kultiges erlebt.

Tatsächlich haute mich dann aber um, was mir mein Nachbar nach meiner Rückkehr berichtete: Bei ihm wurde eingebrochen. Auch er und seine Familie nutzten das schöne Wetter, sie waren ein paar Tage unterwegs zum Wandern. Zum Glück hält sich der materielle Schaden bei ihm in Grenzen: die Einbrecher sind nach den bisherigen Erkenntnissen wohl auf der Rückseite des Hauses durch ein Fenster eingestiegen und haben gezielt nach seiner Fotoausrüstung gesucht – er arbeitet als freier Fotograf für ein Magazin und ist zum Glück gut versichert. Glück im Unglück: das Chaos bei ihm im Haus hält sich in Grenzen – es ist eben mehr der psychologische Aspekt und dieses ungute Gefühl, dass jemand unbefugt in der familiären Wohnung war.

Vielleicht wurde es nun für mich Zeit, doch mal über aktiven Einbruchschutz nachzudenken. Ich bat meinen Berliner Kumpel nach Rückkunft nach Hause, für diesen Blogbeitrag doch bitte den Polizei-Hinweis zu fotografieren und mir zuzuschicken. Bei der Suche nach aktiv einbruchsverhindernden Mitteln habe ich ein wenig im Internet gestöbert und entdeckte FakeTV. Das ist so ein kleiner Kasten mit Leuchtdioden, der in realistischer und stromsparender Weise einen laufenden Fernseher simuliert. Dieser schaltet sich, wenn es dunkel wird, von selbst ein und geht nach einer voreingestellten Zeit (vier oder sieben Stunden) wieder aus. Realistisches Fernsehverhalten also. Und bekanntlich wird in bewohnte Häuser ja nur sehr selten eingebrochen.

Ob FakeTV mich und mein Haus jemals davor verschonen wird, Opfer eines Einbruchdiebstahls zu werden, werde ich naturgemäss mangels Ortanwesenheit wohl nicht sagen können. Schaden wird mir der FakeTV zumindest nicht.

Ich hab zwei bestellt. Einen für mich. Und einen für unseren Nachbarn.

TwistBook

08/2013

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Obwohl man unzählige Bücher in digitaler Form auf nur einem kleinen Gerät speichern kann, vermissen Buch-Fans vor allem das haptische Gefühl und den Geruch von frisch bedrucktem Papier. Das Konzept TwistBooks von Designer Fabrice Dubuy soll das E-Book nun etwas näher an seinen gedruckten Konkurrenten heranbringen.

Der Clou des TwistBook: es besitzt zwei Bildschirme statt nur einen, wie sonst üblich. Beide Bildschirme befinden sich in einer Hülle, die an die Bindung herkömmlicher Bücher erinnern soll. So kann die Illusion eines aufgeschlagenen Buches mit zwei Seiten vermittelt werden. Zusammengeklappt sieht das TwistBook, dessen Einband selbst gestaltet werden kann, wie ein gebundenes Buch aus. Den ganzen Beitrag lesen »

Satis Smart Toilet

08/2013

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Gibt es eigentlich in unserem Alltagsleben irgendeinen Ort, der noch nicht von der Digitalisierung durchdrungen ist? Selbst der stille Ort, der Lokus, ist längst digitalisiert. Das stille Örtchen mit dem Namen Satis der Firma Lixil lässt sich via Bluetooth über eine Android-App steuern. Den ganzen Beitrag lesen »